Aurender

Logo AurenderDie Musikserverreihe Aurender wird seit 2010 entwickelt und seit Anfang 2011 serienmäßig produziert und vertrieben, ursprünglich von der Widealab Inc. mit Sitz in Seoul. 2013 wurde die Audiosparte, in der die Aurendermodelle entwickelt und hergestellt wurden, von der TVLogic Co. Ltd. übernommen und zunächst integriert; sie scheint nun aber wieder in eine eigene Firma, der Aurender Co. Ltd. mit Sitz in Anyang südlich von Seoul, ausgegliedert worden zu sein. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Herstellers.

 

Funktionsweise

Getreu dem Konzept, Spezialaufgaben den Spezialisten zu übertragen, beschränkt sich der Aurender-Musikserver auf zwei wesentliche Funktionen im Rahmen der digitalen Audiokette: er fungiert als Datenspeicher (Archivierung) und als Abspieler für die Audiodateien (Wiedergabe, Audiorenderer).

Die computertechnische Konzeption überzeugt u.a. dadurch, daß der Aurender mit zwei (oder drei) Festplatten arbeitet: eine (oder zwei) "normale" HDD(s) mit bewegten Magnetplatten als Massenspeicher und einer oder zwei SSD(S), Solid State Disks, also Festplatten ohne bewegte Teile, nur aus Speicherchips, vergleichbar einem USB-Stick, die das auf Musikwiedergabe abgestimmte Betriebssystem (ein Linuxderivat) beherbergen. Die abzuspielenden Audiodateien werden von der HDD/den HDDs auf die SSD(s) kopiert, so daß die HDD(s) während der Wiedergabe nicht arbeiten muß (müssen) und damit auch kein Betriebs- oder Lüftergeräusch stören kann. Die Wiedergabe der einzelnen Audiodateien selbst erfolgt vollständig aus dem Arbeitsspeicher. Der Aurender wird vorrangig über Netzwerk mit den Musikdateien gefüttert (von einem via USB angeschlossenen externen Speichermedium kann ebenfalls kopiert werden), d.h. er stellt de facto eine Datensicherung dar. Seine HDD(s) können auch als weiterer Speicherplatz genutzt werden, allerdings gibt es keine zusätzliche Sicherheit gegen Festplattenausfall durch RAID. Gesteuert wird er mit einer iPad-Applikation, die ein bequemes Streifen durch den eigenen Musikbestand erlaubt. Er kann mit vielen verlustlosen PCM-Audioformaten (wav, flac, ape, aiff usw.) bis zu einer Auflösung von 32 Bit / 384 kHz umgehen, darüber hinaus spielt er auch DSD-Audiodateien (DSD 64 und DSD 128).

Das Gerät stellt die wiederzugebende Musik an einem dedizierten Audio-USB-2.0-Port sowie - bei W 20 und N 10 - in Form eines S/P-DIF-Signals an BNC, Koax, Toslink und AES/EBU zur Verfügung. Dieses Signal wird weitergegeben an den DAC der Kette, so wird die Investition in diese Komponente gesichert bzw. der spätere Austausch gegen weiterentwickelte oder höherwertige Geräte ohne Wertvernichtung erlaubt. Mit dem Aurender kauft man sich nicht den Stand der DAC-Technik ein, sondern ist für die Zukunft offen. Ein Austausch der HDD(s) - z.B. gegen eine Festplatte höherer Speicherkapazität - ist jederzeit ohne Probleme möglich, damit ist eine stufenweise Erweiterbarkeit gewährleistet.

Seit 2015 gibt es die Möglichkeit, auch die auf externen Speichern liegenden Dateien in der Datenbank für die Steuerungsapp zu verarbeiten; hierzu dient der "Aurender Media Manager" (AMM). Der AMM ist auf einem Mac oder PC zu installieren, er liest dann die Datenbank eines im Netz ausgewählten Aurender-Musikservers aus, scannt die einzubindenden Ordner oder Shares bzw. das externe USB-Medium und fügt die Metadaten der Musikdateien dann in die Datenbank ein. Diese ergänzte Datenbank wird wieder zurück auf den Aurender transferiert und von dort auf das iPad kopiert. Gibt es Änderungen auf den NAS-Shares etc., muß der geschilderte Prozeß manuell neu durchgeführt werden. Eine automatische Synchronisationsfunktion ist derzeit (noch) nicht implementiert. Das Programm ist für Mac und Windows verfügbar; die Version 3.3 stammt vom 31. März 2016 und ist erhältlich über die Aurender-Website (die Mac-Version hier, die Windows-Version hier).

Die Aurender-Modelle

Aurender W 20

Auf der CES im Januar 2013 stellte Aurender das Topmodell Aurender W 20 vor.

Aurender W 20
Aurender W 20

Im Unterschied zu den bisherigen, heute nicht mehr erhältlichen Modellen A 10 und S 10 ist in diesem Gerät eine neue Taktgeber-Architektur verwirklicht worden mit gleich 3 OCXOs, gesteuert über ein neu programmiertes FPGA. Der BNC-Wordclock-Eingang und - als erster Musikserver auf dem Markt - die Möglichkeit des Dual Wire mittels zweier AES/EBU-Ausgänge kommen den Bedürfnissen von Nutzern von MSB- und dCS-Vivaldi-Systemen entgegen (zur Wordclock-Steuerung gibt es einen Adapter für dCS-Systeme und einen für MSB-DACs). Das Audioboard kommt in den Genuß einer Akkupufferung mit zwei Bänken von LiFePO4-Akkus, zusätzlich sorgt eine weitere Akkubank für Sicherheit bei Ausfall der Stromversorgung und erlaubt das kontrollierte Herunterfahren des Systems.

Ebenfalls abweichend von den Modellen A 10 und S 10 ist das Computermainboard nunmehr - wie bereits das Audioboard - eine Eigenentwicklung. Die Stromversorgung wurde mit einem 100 W-SMPS-Netzteil robust ausgelegt, da es mehr Speicherplatten zu versorgen gibt. Der Arbeitsspeicher ist mit 4 GB großzügig dimensioniert. Der W 20 hat zwei HDDs im Fassungsvermögen von jeweils 6 TB, die zur weiteren Geräuschminderung auf Gummidämpfern in separaten gedämmten Kammern untergebracht wurden - es ist tatsächlich absolut kein Betriebsgeräusch mehr zu hören, wirklich komplette Stille herrscht. Die SSD zum Cachen der Musikdateien hat eine Größe von 240 GB und kann bei Bedarf um eine weitere SSD erweitert werden. Der W 20 mißt (BxHxT) 430 x 106 x 370 mm und wiegt über 22 kg (die Herstellerangabe von 19 kg ist nicht korrekt).

Der W 20 ist eine nachdrückliche Empfehlung an jeden Musikliebhaber, selbst bei der ambitionierten Preisgestaltung von mittlerweile 18.900 €.

Ende September 2013 ist der weltweit erste Review in "HiFi-Statement" erschienen (hier).

Anfang Januar 2014 veröffentlichte "6moons" einen Review des W 20 durch Srajan Ebaen. Trotz prinzipieller Bedenken gegen Wireless und Musikserver hatte er eingewilligt, den nur mit einer iPad App, also via WLAN-Anbindung, bedienbaren Aurender W 20 - einen Musikserver - zu besprechen. Und der Kritiker kommt zu einem vordergründig vernichtenden Ergebnis (hier).

Ich habe die Kritiken von Srajan Ebaen immer gerne gelesen, auch seine Verrisse, denn sie waren (fast) immer substantiiert. Doch mit diesem Review hat er seine mühevoll erarbeitete Reputation - für mich jedenfalls - weitgehend eingebüßt. Das ist keine kritische Besprechung eines Geräts oder ein Verriß mit Niveau, sondern eine Jammertirade über Srajan Ebaen'sche Befindlichkeiten so gut wie ohne Bezug zum Gegenstand. Schade.

Aurender N 10

Der Aurender N 10 ist der Nachfolger des S 10, er kam im Herbst 2015 auf den deutschen Markt.

Er ist etwas kleiner als der W 20 dimensioniert (gleiche Breite von 430 mm, aber mit 83 mm Höhe und 353 mm Tiefe dem X 100 entsprechend - auch die beiden AMOLED-Displays fallen der Größe nach wie beim X 100 aus; sein Gewicht beträgt 12 kg). Er ist ebenfalls mit einem linearem Netzteil ausgerüstet. Seine SSD hat eine Kapazität von 240 GB, neben dem Audio-USB-Ausgang hat er 2 S/P-DIF- (Koax, BNC) sowie einen optischen (Toslink) und einen AES/EBU-Digitalausgang und er ist mit 2 * 2 TB (2,5 Zoll) Festplatten ausgestattet. Er hat ebenfalls eine OCXO-Audio-Clock, die ein FPGA mit dem Zeittakt versorgt.

Als Besonderheit ist er - wie auch der W 20 - in der Lage, "on the fly" DSD-Dateien in PCM zu konvertieren. Er ist in silber oder schwarz zum Preis von 8.900 Euro erhältlich.

Aurender X 100

Auf der CES 2014 wurde der internationalen Öffentlichkeit die neue Aurender X 100-Serie vorgestellt: anfänglich waren dabei der Aurender X 100L und der Aurender X 100S, der jedoch Ende 2015 eingestellt wurde, so daß es nunmehr nur noch "den" Aurender X 100 gibt.

Es handelt sich beim X 100 um ein "schlankes" Modell, das (neben den beiden USB-Datenports) nur noch einen USB-Audio-Ausgang aufweist; auf die sonst verfügbare Vielfalt von AES/EBU, Koax und Toslink wurde verzichtet. Der USB-Audio-Class 2-Ausgang ist vom W 20 übernommen, der auf die Ausgabe von Audiosignalen zugeschnittene Port garantiert also höchste Klangqualität. Die bereits bisher unterstützten Audioformate einschließlich DSD werden wiedergegeben.

Beim X 100 ist im Vergleich zu den größeren Modellen ein einfacherer Taktgeber und ein Schaltnetzteil verbaut. Der X 100 hat mit zwei 3,5-Zoll-Festplatten standardmäßig eine Kapazität von 6 TB (2 * 3 TB) - optional ist eine Version mit 12 TB erhältlich - und weist eine SSD-Kapazität von 120 GB auf. Mit dem kleinen Format von 215 x 83 x 355 mm paßt er optisch gut zu den üblicherweise ebenfalls eher zierlichen USB-DACs, speziell auf den X100 abgestimmt ist das äußere Erscheinungsbild des Aurender X 725. Das Gewicht liegt bei etwa 7,5 kg. Die Steuerung erfolgt über die bekannte iPad-App.

Aurender N 100 / N 100H

Auf der CES 2015 wurde der Aurender N 100 vorgestellt, im wesentlichen eine um die internen Speicherfestplatten abgespeckte X 100-Linie, ein Netzwerkspieler mit SSD-Cache ("Caching Streamer").

Die internen Festplatten zum Speichern zum Musikdateien fallen in der Standardversion weg, stattdessen greift der N 100 ausschließlich auf Netzwerkquellen, z.B. NAS-Shares oder auf anderen Computern freigegebene Ordner, auf angeschlossene externe USB-Speichermedien oder auf Internet-Streamingdienste (Tidal, Qobuz) zu. Die Dateien werden wie üblich auf die SSD des Aurender kopiert und von dort abgespielt.

Der N 100 kann auch mit einer zusätzlichen Festplatte ausgerüstet werden, auf der wie bisher Musikdateien abgelegt werden können; der Hersteller nennt diese Variante N 100H, sie ist serienmäßig mit einer 2 TB HDD ausgestattet (der Aufpreis beträgt 310 Euro).

Die Abmessungen sind mit 215 x 355 mm die des X 100, der jedoch fast die doppelte Höhe aufweist (83 statt 45 mm). Das Display fällt etwa 10% kleiner aus (3 Zoll statt 3,3 Zoll AMOLED). Die SSD-Größe beträgt 120 GB. Der N 100 hat eine mit 35 W geringer dimensionierte Stromversorgung, die von einem linearen Netzteil anstelle eines Schaltnetzteils bewerkstelligt wird. Klanglich ist der N100 überraschend erwachsen.

Aurender X 725

Der Aurender X 725 ist ein Class-D-Verstärker mit DAC, ideal zu kombinieren mit X 100 oder N 100 / N 100H. Er wurde Mitte 2014 international vorgestellt, seit November 2014 ist er auch in Deutschland erhältlich und spielt bei AUT in Kombination mit dem N 100 und X 100. Er belegt dieselbe Grundfläche wie der X100L und ist so hoch wie der N 100 (B x T x H 215mm x 355 mm x 45 mm), komplett über die App sowie eine separate Infrarot-Fernbedienung steuerbar (die Lautstärke auch über einen frontseitigen Drehknopf) und wiegt 4,7 kg.

Der Verstärkerteil leistet 100 Wpc an 8 Ohm (bei 0,01% THD+N) mit einem Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz. Er verfügt über einen USB- und einen optischen Digitaleingang; eine kurzes USB-Kabel für X 100 / N 100 wird mitgeliefert. Die Wandlersektion arbeitet mit den vom Aurender-Server angelieferten Formaten, also bis 24/192 sowie DSD64 und DSD128. Die Lautsprecherausgänge sind mit Cardas-Polklemmen bestückt und nehmen nur Kabelschuhe auf (ggf. muß also mit Adaptern oder gwinkelten Anschlüssen gearbeitet werden).

Klanglich ist der X 725 für einen Class-D-Verstärker ausgesprochen gut. Der kritische Baßbereich überzeugt nicht nur durch Volumen, sondern hat auch Konturen, die Mitten sind präzise, die Höhen nicht überpräsent, die Raumdarstellung gut. Man sollte ihm einige Dutzend Stunden Einspielzeit gönnen, es lohnt sich.

Aurender bezeichnet die Kombination von X 100 und X 725 als X-Pac, den X 725 gepaart mit dem N 100 / N 100H folglich als N-Pac.

Aurender UC 100

Der Aurender UC 100 ist ein USB-S/P-DIF-Konverter, der den USB-Audio-2.0-Ausgang der Musikservermodelle auf S/P-DIF (koax/RCA) umsetzt und damit für den Anschluß von X 100 oder N100 an DACs, die keinen USB-Eingang aufweisen, ermöglicht. Er verarbeitet PCM bis 24/192, DSD bis DSD64.

Aurender bei AUT

Die Tabelle zeigt die aktuellen Preise für die Aurender-Modellvarianten in Deutschland jeweils in der Werksausstattung hinsichtlich der Größe der eingebauten Festplatte(n). Eine Änderung ist jederzeit problemlos möglich, die Kosten richten sich nach der Dimension der Erweiterung. Die Preisliste (Stand Dezember 2015) finden Sie auch hier zum Download.

Modell Preis
N 100 2.980 €
N 100H 3.290 €
X 100 (6 TB) 4.290 €
X 100 (12 TB) 5.290 €
N 10 8.900 €
W 20 18.900 €
X 725 2.790 €
UC 100 700 €

In den Preisen enthalten ist bei AUT die Erstbestückung mit einer angemessen großen Anzahl Ihrer CDs, die hier sorgfältig gerippt, getaggt und auf die Festplatte aufgespielt werden.

Viele Modelle sind im AUT-Studio vorführbereit. Sollten Sie nicht in der Lage sein, Ihr bevorzugtes Aurender-Modell hier im Studio zu hören, führe ich es gerne bei Ihnen zuhause vor; die finanziellen Begleitumstände vereinbaren wir individuell. Regelmäßig bekommen Sie das Gerät schlüsselfertig an Ihrer Kette installiert, auf Wunsch auch inklusive der notwendigen Netzwerktechnik (z.B. Repeater o.ä.).

Eine Übersicht über die aktuellen Aurender-Modelle bietet diese englischsprachige Broschüre.

Übrigens: ich berate Sie eingehend und umfassend zu allen Fragestellungen im Zusammenhang nicht nur mit dem Aurender, sondern mit digitalem Audio insgesamt, z.B. zum CD-Rippen, Computer-Heimnetzwerk (LAN, WLAN), Datenspeicherung und -sicherung (NAS, RAID, Backupstrategien), Streaming, alternative Komponenten.